1.D Reisebericht Stuttgart

16.12.2019

Steht man an den Zäunen der Bolzplätze dieser Republik und fragt die emsig dribbelnden und kickenden Kids nach ihren Träumen, brauchen die meisten Mini-Messis nicht lange überlegen: „Ich will Profi werden und in der Bundesliga spielen!“, schallt es über den Rasen.

Auch am Elchdamm wachsen kindliche Visionen empor in Richtung Himmelszelt. Aber wie und wo erfährt man am ehesten, wie weit das Rundleder-Traumszenario noch entfernt ist? Nun, für die beiden D1-Verantwortlichen Fabian Petrick und Stefan Poetig kommt da nur ein Weg in Frage. Und zwar der, bei dem am Ende die unmittelbare Konfrontation mit der Realität die Arme ausbreitet. Im berlinschen Klartext: „Willste wissen wat wirklich Phase is, musste dich mit der Elite messen. Punkt.“

Aber wo ist die Elite? Die Bubis von Hertha und Union verirren sich bekanntermaßen nur sehr selten in den hohen Norden Berlins. Was also tun? Dem Ruf der Ferne folgen? Bingo! Wenns vor der eigenen Haustür nicht klappen will, dann muss man auch mal die Koffer packen und das Weite suchen. Und so versammelte sich die blaugelbe Truppe am Nikolaustag unter dem opulenten Dach des Flughafens Berlin-Tegel und rieb sich vorfreudig die Hände.

Warum, wieso, weshalb? Nun, einige Wochen zuvor flatterten aus dem schönen Schwabenländle Turnier-Einladungen ins Haus, die man nicht ablehnen konnte. Erstmals in ihrem jungen Fußballerleben durften sich unsere Jungs und Mädels mit der gleichaltrigen Branchen-Creme-de-la-Creme duellieren.

Irgendwo zwischen Stuttgart-Degerloch, der altehrwürdigen Gemeinde Neuhausen auf den Fildern und dem weiter südwestlich schlummernden Neckarbecken-Aushängeschild Ditzingen verabredete sich der Nachwuchs etablierter Vorzeigevereine (VfB Stuttgart, TSG Hoffenheim, Grashoppers Zürich, Red Bull Salzburg, SC Freiburg, Mainz 05, Karlsruher SC, u. v. a.) zum sogenannten „Leistungsvergleich“. Und unser Team war mittendrin.

Angeschnallt, und auf geht’s! Nach einer knappen Stunde über den Wolken war man auch schon angekommen im Hier-und-Jetzt-Mekka der Fußballmärchen. Aufregung und Müdigkeit paarten sich. Schnell noch eine spontane Mietwagen-Dramaparty gefeiert und dann nichts wie los in Richtung „Campo Amber Bahia“. Ein paar Burger und unzählige Hotel-Aufzugfahrten später lagen alle Angereisten auch schon in der Koje und verabschiedeten sich ins Land der Träume.

Am nächsten Morgen war es dann endlich soweit. Nach einem ausgiebigen Frühstück im benachbarten Ditzingen angekommen, machte man beim eröffnenden Schaulaufen der Stars von Morgen schon mal große Augen. Zwischen den Gardemaßen einszwanzig und einsachtzig war so ziemlich alles versammelt was regional Rang und Namen hat. Aber auch unsere Kids wurden respektvoll bemustert. Es ging schließlich das Gerücht um, es handele sich bei uns um „eine Auswahlmannschaft, gespickt mit den besten Kickern aus dem Norden Berlins“.

Leider fehlte für eine „offizielle Gegendarstellung“ die Zeit. Und so ließ man uns gleich im ersten Spiel spüren, wie man auf diesem Niveau mit vermeintlichen „Ausnahmekickern“ umzugehen pflegt. Nach elf Minuten hatten uns die wuseligen Buben von Red Bull Salzburg ein halbes Dutzend Tore eingeschenkt. Wir hingegen durften den Gegner nur einmal zum Anstoßkreis bitten. Frust machte sich breit. Hinzu kamen erste „Boah, die habens aber auch krass drauf“-Lähmungserscheinungen, die sich im Verlauf des Turniertages leider nicht mehr abschütteln ließen. Am Ende des ersten Turniertages standen sieben Niederlagen, ein Unentschieden und ein Torverhältnis von 8:32 zu Buche.

Zurück im Hotel ging es schnell unter die Dusche. Ein kurzer Waschgang, und nahezu alle Erinnerungen an die sportlich doch eher ernüchternden vergangenen Stunden waren verschwunden. Jetzt noch schnell den Magen vollschlagen und dann ab ins Bett. Gesagt, getan: Nach zwei Keltenpfannen, einer Handvoll Fürsten-Burger und gefühlten zweihundert panierten Dino-Schnitzeln verschwand die komplette Reisegruppe gesättigt und müde unter kuscheligen Hotel-Decken.

Next morning, same procedure. Soll heißen: Aufstehen, Zähne putzen, Frühstücken und Waden massieren. Auf dem Parkplatz liefen schon die Mietwagen heiß, die frischen Ausweich-Trikots deckelten die letzten Erinnerungen an den Vortag und im schönen Neuhausen warteten bereits zwei prächtige Big-Size-Sporthallen auf den Einmarsch der Mini-Gladiatoren.

Abermals stolzierte das obere Ende der hiesigen U-12-Nahrungskette umher und drohte mit einer weiteren mittäglichen Maultaschenverköstigung, sollte sich der blau-gelbe Tross erneut im Staunen-statt-spielen-Modus präsentieren.

Nach derben Schlappen gegen den SC Freiburg und die Grashoppers aus Zürich ging schnell die Angst um. Sollte man wieder komplett durchgereicht werden? Nun, ein imposanter Auftritt gegen die Kids vom 1. FC Nürnberg zeigte, dass man heute durchaus gewillt war, dagegen zu halten.

Als am Abend die beiden Finalisten aus Freiburg und Mainz ein letztes High-End-Fußball-Feuerwerk abbrannten, hatten unsere Jungs und Mädels doch tatsächlich alle ein breites Grinsen im Gesicht. Und das auch völlig zu Recht. Neben den Gastgebern aus Neuhausen konnte man auch noch der Mannschaft des SSV Ulm, sowie dem Stuttgarter-Kickers-Nachwuchs erfolgreich ein Bein stellen.

Die Freude über die sportlichen Last-Minute-Erfolge war riesengroß! Und so konnte der NBSC-Tross zufrieden die Rückreise antreten mit ganz vielen unvergesslichen Erlebnissen im Gepäck!

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